Asyl: Integration ist zentrale Herausforderung - Landrat Rößle informiert über derzeitige Lage - Landkreis Donau-Ries

Landkreis Donau-Ries

Asyl: Integration ist zentrale Herausforderung - Landrat Rößle informiert über derzeitige Lage

06.12.2016: Die Integration von Flüchtlingen ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit.

Bild: Achim Frank
Um über die derzeitige Lage zu berichten und sich selbst ein Bild von der Situation vor Ort zu machen hatte Landrat Stefan Rößle kürzlich zu einem Pressegespräch mit Vertretern aus Kommunalpolitik (Oberbürgermeister Hermann Faul und Bürgermeisterin Petra Wagner), der Landkreisbehörde, der Asylsozialberatung sowie im Asylbereich ehrenamtlich Tätigen in die Asylbewerberunterkunft in Nördligen eingeladen. Zu Wort kamen dabei auch Flüchtlinge sowie ein Arbeitgeber eines Asylbewerbers.

„Wir sind noch lange nicht am Ende und es wird uns noch viel Kraft und Zeit kosten, bis wir von einer gelungenen Integration sprechen können“, machte Rößle den rund 30 anwesenden Gästen deutlich. Zu Beginn der Flüchtlingskrise ging es vorrangig darum, den Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf in einer Asylbewerberunterkunft zu geben. Das ist dem Landkreis dank der Unterstützung durch die Städte und Gemeinden sowie der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer gelungen. Freuen durften sich die Vertreter der Landkreisbehörde über das Lob der Ehrenamtlichen, die die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit hervorhoben.

Nun aber steht dem Landkreis ein langwieriger Prozess bevor. „Die Integration der Flüchtlinge wird uns noch die nächsten Jahre begleiten“, so Rößle. Wesentliche Faktoren hierfür seien das Erlernen der deutschen Sprache, das Wissen über unsere Kultur sowie die Achtung unserer Werte. All das wird den Asylbewerbern in Sprach- und Integrationskursen vermittelt. Des Weiteren stellte der Landrat fest: „Intergration kann nur gelingen, wenn wir uns gegenseitig Wert schätzen und an einem Strang ziehen.“ Wertvolle Hilfe hierbei leisten die Ehrenamtlichen, die sich intensiv in die Betreuung der Asylbewerber einbringen. Ohne deren Engagement wären die vielfältigen Aufgaben, die mit zu einer erfolgreichen Integration beitragen, nicht zu bewältigen.

Die anschließende Diskussion wurde moderiert von Achim Frank, Leiter des Asylstabes am Landratsamt und der Migrationsbeauftragten des Landkreises, Mitsou Schwair. Die Ehrenamtliche Friedrun Meyer aus Nördlingen machte deutlich, dass Integration nicht mit Assimilatioin verwechselt werden dürfe. Durch Integration sind auch feste Bestandteile unseres Lebens wie Pizza zu uns gekommen, so Meyer.

Arbeit und günstiger Wohnraum

Arbeit sowie bezahlbare Wohnungen sind weitere Faktoren für eine erfolgreiche Integration. Denn ein Asylbewerber sollte, sobald über seinen Asylantrag positiv entschieden worden ist, die Unterkunft verlassen und sich eine eigene Wohnung suchen.
„Asylunterkünfte sind keine Wohnungen und sie sollen auch nicht dazu dienen, dass dort Menschen länger wohnen“, so Achim Frank.

Und hier beginnt schon das Problem, denn bezahlbare Wohnungen sind nicht so leicht zu finden. Bereits vor der Asylwelle waren günstige Wohnungen rar gesät und bei den Baugenossenschaften gibt es bereits Wartelisten. Landrat Stefan Rößle ist es hierbei wichtig, keine Konkurrenzsituation zwischen anerkannten Asylbewerbern und den Landkreisbürgern entstehen zu lassen.

Rückführungen sind Teil des Prozesses

Der Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland hat seit Jahresbeginn spürbar abgenommen. Diese Tatsache trägt mit dazu bei, dass die Asylverfahren durch das Bundesamt für Migration und Füchtlinge in Nürnberg (BAMF) beschleunigt bearbeitet und positive wie auch negative Entscheidungen getroffen werden. So steht bei abgelehnten Asylbewerbern die Rückkehr ins Heimatland im Vordergrund. Betroffen davon sind auch Asylbewerber, die sich zuletzt gut integriert haben. Manche von ihnen sind in Vereinen aktiv, haben eine Schulausbildung erfolgreich beendet oder befinden sich in Ausbildung. Verständlicherweise ist die Enttäuschung bei den Betroffen selbst wie auch bei ihren Unterstützern oftmals groß, wenn der Asylantrag abgelehnt wurde und eine Ausreise bevor steht. Auch unter den anwesenden Gästen befand sich ein Arbeitgeber, der einen Asylbewerber als Steinmetz-Helfer beschäftigt. Er ist sehr zufrieden mit dessen Arbeit und zugleich enttäuscht darüber, dass sein Mitarbeiter nun nach mehreren überwundenen Hürden einen ablehnenden Bescheid des BAMF erhalten hat. Oft empfand er die bestehenden Hürden als so schwierig, dass er manchmal dachte, die Mühen wären zu viel, doch klappt die Zusammenarbeit so gut, dass er gerne jede Schwierigkeit auf sich genommen hat. Das Landratsamt habe ihm in dieser Situation stets kompetent weitergeholfen.

Mit einem gemeinsamen Essen, das zum gegenseitigen Meinungsaustausch einlud, wurde die Veranstaltung beendet.


Der Zustrom von Asylsuchenden hat durch die getroffenen Maßnahmen der Bundes- und Landespolitik deutlich nachgelassen. Kamen Ende 2015 noch jeden Monat zwischen 150 und 200 Personen in den Landkreis waren es ab April nur noch an die zehn oder weniger Personen. Ende November belief sich die Zahl der im Kreis befindlichen Asylbewerber auf 2095. Davon sind zwischen 450 und 500 Asylbewerber in der ehemaligen Alfred-Delp-Kaserne in Donauwörth untergebracht. Aufgrund von häufigen Abverlegungen ist die Zahl schwankend.